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Backhefe
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Backhefe, auch Bierhefe, Bäckerhefe, nicht-fachsprachlich kurz Hefe (bundesdeutsches und Schweizer Hochdeutsch) oder Germ (Ăśsterreichisches Hochdeutsch),cite-ref-1[1] mundartlich auch âGestâ (norddeutsch; vgl. englisch yeast) oder âBärmeâ (v. a. Plattdeutsch; von niederdeutsch berme âQuellendes, Aufwallendesâ), lat.-wiss. Saccharomyces cerevisiae, gehĂśrt zu den Hefen (einzellige Schlauchpilze) und ist eine Knospungs-Hefe (englisch budding yeast).
Die Vereinigung fĂźr Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM) hat die Backhefe zur Mikrobe des Jahres 2022 gekĂźrt.cite-ref-2[2]
Contents
⢠Ursprung
⢠Beschreibung
⢠Wissenschaft
⢠Stoffwechsel
⢠Verwendung
⢠Herstellung
⢠Nährwerte
⢠Presshefe
⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Ursprung
Backhefe hat, wie sich aus der lateinischen Artbezeichnung cerevisiae âdes Bieresâ ersehen lässt, ihren Ursprung in obergärigen Bierhefen. Der griechisch-lateinische Gattungsname Saccharomyces bedeutet âZuckerpilzâ.
Das Wort âHefeâ (mittelhochdeutsch háşšve) geht auf eine Wurzel mit der Bedeutung âhebenâ zurĂźck und bezieht sich auf die Hefe als Gärung bewirkendes Triebmittel bzw. âHebemittelâ (bei der Bierhefe der Bodensatz bei der Alkoholgärungcite-ref-3[3]).cite-ref-4[4]
Beschreibung
Die Zellen von Saccharomyces cerevisiae sind rund bis oval, haben einen Durchmesser von fĂźnf bis zehn Mikrometern und vermehren sich durch den Prozess der Knospung. Saccharomyces cerevisiae ist dimorph und kann auch in der mehrzelligen Hyphenform vorliegencite-ref-5[5] und Ascosporen bilden.cite-ref-6[6]
Vorgeschichte und Geschichte
Wein, Bier und Brot sind Produkte, die auch im Neolithikum des Fruchtbaren Halbmondes durch Hefegärung ermĂśglicht wurden, aber frĂźhe Nachweise fehlen weitgehend. Ein Beginn der Hefeverwendung wird vor 13.000 bis 9.800 Jahren vermutet.cite-ref-7[7] Etwa seit dem 3. vorchristlichen Jahrtausend wurde Bier in Griechenland unter Einsatz von Hefe hergestellt.cite-ref-8[8] Belege fĂźr eine Verwendung von Backhefe fĂźr Brotprodukte bestehen fĂźr die Zeit ab 1500 bis 1300 v. Chr. in Ăgypten und ab 500 bis 300 v. Chr. in China.cite-ref-9[9] Plinius der Ăltere beschrieb die Herstellung beziehungsweise ZĂźchtung von Hefe (altgriechisch ÎśĎΟΡ, lateinisch fermentum) in seiner Naturalis historia.cite-ref-nelson-10-0[10] Hefegärungspilze wurden erst 1837 entdeckt.cite-ref-11[11]
Ein Hefner, im mittelalterlichen Brauwesen ein eigenständiger Beruf, pflegte und vermehrte die Hefe Ăźber Braupausen hinweg.cite-ref-12[12] Die Bäcker erhielten obergärige Hefen von Bierbrauereien. Die Hefen ermĂśglichen die Herstellung von sĂźĂ-fermentierten Broten wie der Kaisersemmel. Mit Hefe als Backtriebmittel kann Brot von feinerem Geschmack hergestellt werden als mit Sauerteig, bei dem neben Hefen unter anderem auch Milchsäurebakterien an der Gärung beteiligt sind. Mitte des 19. Jahrhunderts stiegen immer mehr Bierbrauer von obergärigen auf untergärige Hefen um. Diese eignen sich jedoch nicht in derselben Weise zur Brotbereitung, da die sich absetzenden Hopfenharze und Bitterstoffe in der Hefe zu einem unangenehm bitteren Geschmack im Backwerk fĂźhren. Um diesen Missstand zu beseitigen, lobte die Wiener Bäckerinnung daher 1845 einen Preis aus, ein Verfahren zu entwickeln, um Bäcker wieder verlässlich mit hochqualitativer Hefe zu versorgen. 1846 stellte Adolf Ignaz Mautner sein gemeinsam mit seinem Schwiegersohn Johann Peter von Reininghaus entwickeltes âWiener AbschĂśpfverfahrenâ zur industriellen Produktion von Presshefe vor, welches in den folgenden Jahren noch verbessert wurde und schlieĂlich 1850 mit dem Preis der Wiener Bäckerinnung ausgezeichnet wurde.cite-ref-13[13]
Wissenschaft
Der Eukaryot Saccharomyces cerevisiae ist wie der Prokaryot Escherichia coli ein Modellorganismus in der molekularbiologischen und zellbiologischen Forschung. Aufgrund der einfachen Kulturbedingungen und der Verwandtschaft der internen Zellstruktur zu anderen eukaryoten Zellen in der Pflanzen- und Tierwelt wird er zum Beispiel zur Untersuchung des Zellzyklus oder des Proteinabbaus verwendet.
Backhefe war der erste eukaryotische Organismus, dessen Nukleinsäure-Basensequenz im Genom vollständig publiziert wurde. Das Genom besteht aus 13 Millionen Basenpaaren (bp), das entspricht 6.275 Genen in 16 Chromosomen. Zu mehr als 23 % der Gene des Hefegenoms fanden sich homologe Gene im humanen Genom. Inzwischen gibt es drei groĂe Datenbanken Ăźber das Hefegenom.cite-ref-14[14]cite-ref-15[15]cite-ref-16[16]
Eine weitere wissenschaftliche Pioniertat war die vollständige Synthetisierung eines der 16 Chromosomen der Backhefe, die im März 2014 bekanntgegeben wurde.cite-ref-17[17] Das Chromosom III, eines der kĂźrzesten, wurde in siebenjähriger Arbeit im Rahmen eines internationalen Projektes unter der Leitung des Genetikers Jef Boeke im Labor nachgebildet und stellte seine Funktionsfähigkeit in lebenden Hefezellen unter Beweis. Es ist mit 273.871 bp erheblich kĂźrzer als seine natĂźrliche Entsprechung mit 316.667 bp, da die Wissenschaftler Wiederholungen und andere Sequenzen, die sie als unnĂśtig einschätzten, weglieĂen. Die Arbeit ist der erste Schritt eines Vorhabens zur Synthetisierung des gesamten Hefegenoms unter dem Namen âSc2.0â (die âzweite Versionâ von S. cerevisiae).cite-ref-18[18] Im März 2017 waren bereits sechs Chromosomen nachgebaut.cite-ref-19[19] Ein nĂźtzliches Verfahren, bei dem Backhefe nicht als Modellorganismus fungiert, sondern als Werkzeug zur Erforschung von Wechselwirkungen von Proteinen, ist das Hefe-Zwei-Hybrid-System.
Weitere Beispiele fĂźr Forschungen an diesem Modellorganismus sind:
⢠Wie man die Anziehungskraft von Hefe verbessert, auf wissenschaft.de vom 28. Februar 2012. â Magnetische Backhefe vermĂśge Gentechnik
⢠Daniela Albat: Hefe als Cannabinoid-Produzent: Genmanipulierte Pilze produzieren Cannabis-Wirkstoffe wie THC und CBD, auf scinexx vom 28. Februar 2019
⢠Bier (fast) ohne Hopfen: Genmanipulierte Bierhefe erzeugt hopfiges Aroma ohne zusätzlichen Hopfenzusatz, auf scinexx vom 21. März 2018; Quelle: University of California â Berkeley, NPO. â S. cerevisiae
⢠Bäckerhefe strahlt bei Sprengstoff grĂźn, auf welt.de vom 8. Mai 2007; Bäckerhefe gibt bei Sprengstoff âgrĂźnenâ Alarm, in: Welt Kompakt vom 8. Mai 2007, S. 11. â Gentechnisch veränderte S. cerevisiae.
Stoffwechsel
Backhefe gilt als fakultativ anaerob. Das bedeutet, sie kann Energie sowohl aerob (mit Sauerstoff) in Form der Zellatmung als auch durch alkoholische Gärung gewinnen. Backhefe verwendet fĂźr ihren Energiestoffwechsel als Ausgangsstoffe fast ausschlieĂlich Mono- oder Disaccharide (Zucker). Langkettige Kohlenhydrate (Stärke) kĂśnnen dagegen nicht verwertet werden, der Hefe fehlen die notwendigen Amylasen.cite-ref-20[20] Ausscheidungsprodukte sind im Wesentlichen Kohlenstoffdioxid aus der Atmung und Ethanol (Alkohol) aus der Gärung. Das Mengenverhältnis der Produkte ist davon abhängig, ob die Umgebung, in der die Hefe wächst, Sauerstoff enthält oder nicht, sowie von der Zuckerkonzentration im Medium. Bei der Produktion von Alkohol und der Verwendung als Triebmittel beim Backen ist der anaerobe Stoffwechsel entscheidend.
Die Bezeichnung der Backhefe als fakultativ anaerob ist nicht ganz korrekt, da fĂźr die Biosynthese von Ergosterin geringe Mengen an elementarem Sauerstoff benĂśtigt werden.cite-ref-21[21]
Beim Vorhandensein grĂśĂerer Mengen an gut verwertbaren organischen Stoffen (vor allem Zucker) werden diese auch trotz aerober Kultivierung vergoren. Dieses Phänomen wird als Crabtree-Effekt bezeichnet. Der Crabtree-Effekt mindert die Ausbeute (Biomasse pro eingesetztem Zucker) und ist deshalb in der Regel bei der Hefeproduktion unerwĂźnscht. Durch entsprechende SubstratzufĂźhrung kann dieser minimiert werden (siehe Fed-Batch-Prozess).
Wenn der Backhefe kein Zucker mehr zur VerfĂźgung steht, wird unter oxischen Bedingungen als Energiequelle die Oxidation des vorher selbst produzierten Ethanols mit Sauerstoff benutzt. Auf diese Weise kann sich die Hefe weiter vermehren, solange keine Hemmung durch zu groĂe Ethanolkonzentrationen oder eine Begrenzung durch den Mangel an anderen Nährstoffen (Phosphate, Aminosäuren) vorliegt.
Die beste Temperatur fĂźr die Gärung (den âTriebâ) der Hefe liegt bei etwa 32 °C. Zur Vermehrung der Hefe sind ungefähr 28 °C optimal. Bei guter Nährstoff- und Sauerstoffversorgung (aerob) verdoppelt sich die Hefemasse in einer Bierhefekultur in etwa zwei Stunden, der Zuwachs ist also bedeutend langsamer als bei vielen Bakterienarten. Bei anaerober Gärung läuft die Vermehrung erheblich langsamer ab. Bei Temperaturen Ăźber 45 °C beginnt Backhefe abzusterben.
Backhefe ist druckempfindlich. Wenn der Druck im Gärbehälter ßber 8 bar ansteigt, stellt Hefe ihre Gärtätigkeit ein. Dieser Effekt wird auch zur Steuerung des Gärprozesses genutzt.
Der Stoffwechsel der Backhefe ist in hohem MaĂe von Licht abhängig. FrĂźhere Forschungen begrĂźndeten dies mit der Schädigung der Cytochrome der Atmungskette durch das Licht.cite-ref-22[22]cite-ref-23[23] Aktuelle Forschung weist nach, dass durch die Absorption von vor allem blauen Licht (Soret-Bande) die Tagesrhythmen der Backhefe moduliert werden, und sieht darin eine evolutionäre Anpassung zum Schutz vor Lichtschädigung und vor Sauerstoffradikalen.cite-ref-24[24]
Verwendung
Hefen der Gattung Saccharomyces werden in vielerlei Bereichen eingesetzt. Neben ihrer Verwendung beim Backen sind diese Hefen auch an der Gärung von Bier, Cider, Wein und Essig beteiligt. Ebenso dienen sie heutzutage bei der Herstellung von Ethanol-Kraftstoff und Cellulose-Ethanol. AuĂerdem wird Backhefe zur Biosorption von Schwermetallen wie Zink, Kupfer, Cadmium und Uran aus Abwässern verwendet. Die Schwermetalle lagern sich im Inneren und ĂuĂeren der Zellen als Kristalle an und kĂśnnen chemisch von den Hefen abgesondert werden.cite-ref-25[25]
In der Medizin wird Saccharomyces cerevisiae ähnlich wie die verwandte Spezies Saccharomyces boulardii als probiotischer Arzneistoff zur Behandlung von Durchfallerkrankungen, zur Kräftigung des Allgemeinbefindens und gegen Haarausfall eingesetzt.cite-ref-26[26]
Herstellung
Grundlage fĂźr die industrielle Backhefe-Produktion sind zwei Dinge:
1. Ein Hefestamm (Reinzuchthefe), der seit Jahrhunderten durch Auslese und Zßchtung aus Sauerteighefen bzw. aus der Bierhefe von obergärigen Bieren gewonnen wurde. Backhefen zeichnen sich durch hohe Triebkraft und ein geringes Maà an Gluten-zerstÜrenden Enzymen aus. Durch die Weiterzßchtung ist die Bäckerhefe triebstärker als die wilden Hefen im Sauerteig, verträgt aber im Gegensatz zur Sauerteighefe viele andere Stoffe nicht: Säuren, Salze, Fette und anderes mehr.
2. Ein Kulturmedium mit Melasse dient als Hauptbestandteil zur Vermehrung der Hefe.
Während der Hefestamm das Betriebsgeheimnis der jeweiligen Hefeproduzenten ist, ist der technische Ablauf der Hefevermehrung allgemein bekannt.
Um Massen von Mikroorganismen in Reinkultur herzustellen, werden sie in der Biotechnik in der Regel in mehrstufigen Kulturverfahren produziert. Ein einstufiges Verfahren, bei der ein groĂes Volumen eines Kulturmediums mit einer kleinen Menge der Organismen beimpft wird, ist aus mehreren GrĂźnden sehr nachteilig. WĂźrde so vorgegangen, wĂźrde eine groĂvolumige Anlage relativ lange Zeit fĂźr die Vermehrung benĂśtigen. Das hätte folgende Nachteile:
1. Technisch: Je grĂśĂer eine Anlage ist, desto schwieriger ist es, das Eindringen von fremden, unerwĂźnschten Mikroorganismen zu verhindern. Die Phase der Vermehrung in einer groĂen Anlage muss deshalb so kurz wie mĂśglich gehalten werden. Dadurch mindert sich der Ertrag. Alternativ kann die Fermentation unter Zusatz von antibakteriell wirksamen Hilfsstoffen länger gefĂźhrt werden.
2. Ăkonomisch: Eine teure, groĂe Anlage wĂźrde lange Zeit fĂźr die Vermehrung einer kleinen Menge von Mikroorganismen beanspruchen, fĂźr deren Produktion auch kleinere, billigere Anlagen ausreichen.
3. Biologisch: Kulturmedien sind nach ihrer Zubereitung meistens nicht optimal fĂźr die Vermehrung von Mikroorganismen (unter anderem zu hohes Redoxpotential, zu geringe Kohlenstoffdioxid-Konzentration, zu geringe Konzentration spezifischer Wachstumsstimulatoren). Die Organismen mĂźssen erst durch ihren Stoffwechsel ein gĂźnstigeres Milieu schaffen. Das dauert bei einer kleinen Menge von Mikroorganismen in einem groĂen Kulturmediumvolumen sehr lange, und das Wachstum wĂźrde zu Beginn stark verzĂśgert.
Auch bei der Backhefe-Produktion wird deshalb die Vermehrung in mehreren Stufen gefĂźhrt, zum Beispiel von einer Reagenzglaskultur Ăźber flĂźssige Kulturmedien mit 50 ml, 1 l, 10 l, 40 l, 400 l, 4 mÂł, 10 mÂł und 200 mÂł. Die Abstufungen kĂśnnen auch anders sein.
Als Kulturmedium wird eine wässrige LÜsung von acht bis zehn Prozent verwendet. Melasse enthält etwa 50 % Zucker. Die LÜsung wird mittels Säuren auf einen pH-Wert von etwa 4,5 gebracht, gekocht (damit fremde Mikroorganismen abgetÜtet werden) und gefiltert. Dann werden Nährsalze (hauptsächlich Ammoniumsalze und Phosphate) sowie Vitamine der B-Gruppe zugesetzt, da diese fßr das Hefewachstum benÜtigt werden und in der Melasse nicht in ausreichenden Mengen vorhanden sind. Die Kulturen werden aerob, das bedeutet unter Belßftung, gefßhrt, um eine mÜglichst hohe Biomasse-Ausbeute zu erhalten.
Die ersten vier Stufen bis etwa 40 l werden im Laboratorium gefĂźhrt, wobei die Kultureinrichtungen sterilisiert werden, die Hefe also in Reinkultur vermehrt wird. Dies dauert etwa acht Tage. Die nächsten zwei bis drei Stufen bis etwa 10 mÂł werden im Betrieb in einer stationären technischen Anlage gefĂźhrt, der sogenannten Reinzuchtanlage, die ebenfalls sterilisiert wird (HeiĂdampf 120 °C unter 1 bar Ăberdruck), Dauer etwa zwei Tage. FĂźr die letzten zwei Stufen werden wegen ihrer GrĂśĂe (200 mÂł) nicht sterilisierte Anlagen verwendet, jedoch werden Fremdmikroorganismen weitgehend ausgeschlossen. Diese Kulturen dauern jeweils nur kurze Zeit (je 10 bis 20 Stunden) und werden mit einer hohen Hefekonzentration gestartet, so dass etwaige Fremdorganismen praktisch nicht zur Entwicklung kommen. Im angefĂźhrten Beispiel wird in der 200-mÂł-Stufe zunächst etwa 18 t âStellhefeâ erhalten. Manchmal wird Stellhefe auch in zwei Stufen erzeugt. Aus der Stellhefe wird in einer letzten Phase, ebenfalls in einer 200-mÂł-Anlage, in etwa zehn Stunden die Versandhefe produziert, zum Beispiel in vier Parallelkulturen mit je 200 mÂł Medium etwa 65â70 t.
In etwa elf Tagen wird so aus etwa 8 mg Ausgangsmasse mit etwa 33 Verdoppelungen die fast zehnmilliardenfache Hefemasse hergestellt.
Die Hefe wird mittels Separatoren konzentriert (ergibt sogenannte âHefemilchâ oder âHefesahneâ) und je nach gewĂźnschtem Ergebnis weiterverarbeitet:
Presshefe
Ăber Filterpressen oder Vakuumrotationsfilter wird die Hefemilch auf einen Trockenstoffanteil von etwa 30 % konzentriert. AnschlieĂend wird die Masse durch eine Strangpresse ausgeformt und abgepackt. Ein Gramm Presshefe enthält etwa 1010 (10 Milliarden) Hefezellen.
Aktive Trockenhefe
Im Extruder wird Presshefe zu kleinen Zylindern geformt, die dann im Wirbelschichtverfahren getrocknet werden.
Trockenhefe
Die restliche Hefemilch wird im Walzentrockner oder in einer Sprßhgefriertrocknungsanlage getrocknet, wobei die enzymatische Aktivität vÜllig verlorengeht, so dass diese Hefe hauptsächlich als Futtermittelzusatz oder fßr diätetische und kulinarische Zwecke (sogenannte Nährhefe) verwendet wird.
FlĂźssighefe
Die Hefemilch wird in flĂźssiger Form auf die vom Kunden gewĂźnschte Triebkraft eingestellt.
Insgesamt fallen bei der Herstellung auf Melassebasis grĂśĂere Mengen organischer und chemischer Stoffe sowie Mikroorganismen-haltiges Hefewasser an, die nach wie vor ein Entsorgungsproblem darstellen.
Dosierung der Backhefe
Bei einer kurzen TeigfĂźhrung sind handelsĂźbliche Darreichungsformen (42 g Frisch- bzw. 7 g Trockenhefe) auf 1 kg Weizenmehl abgestimmt. Hierbei dient die Hefe fast ausschlieĂlich als Triebmittel und verstoffwechselt hauptsächliche die Kohlehydrate im Trägermedium.cite-ref-27[27] Mit zunehmender Alterung (und Ăberschreiten des MHDs) kann die Treibleistung nachlassen.
Bei längerer Teigfßhrungen oder der Nutzung von Vorteigen liegt der Anteil der verwendeten Hefe deutlich niedrigercite-ref-backdorf-28-0[28]cite-ref-josemola-29-0[29]. Hierbei dient als Nährbasis entweder Backmalz, dem Teig zugesetzter Zucker oder die per Autolyse aufgeschlossenen Kohlehydrate sowie im Mehl enthaltene FODMAPs.cite-ref-pmc6163668-30-0[30] Nachdem sich Hefen unter den richtigen Bedingungen per Sprossung rasch vermehren, ist die Triebleistung bei längerer Teigfßhrung kaum von Bedeutung.
Beispielsweise wird bei einer traditionell hergestellten neapolitanischen Pizza bei einer TeigfĂźhrung von etwa 6 bis 8 Stunden bei Raumtemperaturen nur rund 1,7 g Frischhefe pro kg Weizenmehl verwendet.cite-ref-31[31]
Handelsformen der Backhefe und ihre Haltbarkeit
Hefe wird als gepresste Frischhefe (Blockhefe), als Trockenhefe (Haltbarkeit etwa 1 Jahr) oder FlĂźssighefe angeboten. Zur Herstellung der Trockenhefe wird der von der Maische gereinigten Hefe sukzessive ein GroĂteil des Wassers entzogen. Meist wird der Emulgator Citrem (Ester der Citronensäure mit Monoglyceriden) zugegeben. Dieser soll eine zu starke Austrocknung der Hefezellen verhindern, damit die Zellen nur inaktiv werden, aber nicht absterben. So inaktivierte Hefe kann lange bei Raumtemperatur gelagert werden. Dennoch sollte man das auf die Packung gedruckte Haltbarkeitsdatum berĂźcksichtigen, da die Fähigkeit der Hefezellen zur Reaktivierung im Laufe der Zeit verlorengeht. Ein typisches 7-g-Päckchen Trockenhefe, wie es im Einzelhandel angeboten wird, besitzt etwa dieselbe Gärkraft wie ein halber 42-g-WĂźrfel Frischhefe. Dessen âkrummeâ VerpackungsgrĂśĂe wiederum ergibt sich daraus, dass er näherungsweise einem ZwĂślftel Pfund entspricht und fĂźr ein Kilogramm Brotteig ausreicht.cite-ref-33[33]
GewÜhnliche Frischhefe behält bei einer Lagertemperatur von 2 bis 8 °C fßr zehn bis zwÜlf Tage die volle Triebkraft. Ein permanenter Abbau von Kohlenhydratreserven und Proteinen erhält die Lebensfunktionen der Hefe. Je mehr alte oder abgestorbene Zellen in einem Stßck Hefe enthalten sind, desto schlechter wird die Triebkraft. Gleichzeitig treten Stoffe wie Glutathion aus der Zelle aus. Das fßhrt zu einer Erweichung des Klebers (Gluten-Getreideprotein) im Teig. Alte Frischhefe ist auch bei hÜherer Dosierung somit praktisch unbrauchbar.
Frische Backhefe erkennt man an einer hellen, meist gelblichen Farbe. Sie hat einen angenehmen Geruch, einen sĂźĂlichen, intensiven Geschmack und einen festen muschelartigen Bruch. Alte Hefe ist braungrau, rissig, brĂśckelig, hat einen zunehmend bitteren Geschmack und unangenehmen Geruch.
Die Haltbarkeit frischer Backhefe kann durch Einfrieren verlängert werden. Bei entsprechend geringer Portionierung, z. B. einem halben Wßrfel (ca. 21 g, normalerweise hinreichend fßr 500 g Mehl), ist eine direkte Verarbeitung aus der Tiefkßhlung mÜglich.
Eine Alternative zur Verwendung der Backhefe ist Backferment.
Besondere Backhefe-Sorten
FĂźr besondere Aufgaben werden SpezialzĂźchtungen verwendet, wie beispielsweise osmotolerante Hefen, die â bei sehr sĂźĂen Teigen â unempfindlicher gegen osmotischen Druck sind. Ăkohefen (Sauerteighefen), welche auf einem Getreidenährboden gezĂźchtet werden, sind speziell geeignet fĂźr Menschen mit einer Hefeallergie.cite-ref-34[34]
Nährwerte
Presshefe
Je 100 Gramm:cite-ref-behr-35-0[35]
⢠Brennwert 439 kJ (105 kcal), Wasser 73 g, Eiweià 16,7 g, Fett 1,18 g, Kohlenhydrate 6,72 g davon: Ballaststoffe 0,3 g
⢠Vitamine: Niacin (B3) 17,4 mg, Pantothensäure (B5) 3,46 mg, Thiamin (B1) 1,43 mg, Riboflavin (B2) 2,31 mg, Folsäure (B9) 1,02 mg, Biotin 0,033 mg
Aktive Trockenhefe
Je 100 Gramm:cite-ref-36[36]
⢠Brennwert 1361 kJ (325 kcal), Wasser 5,1 g, Eiweià 40,4 g, Fett 7,61 g, Kohlenhydrate 41,2 g davon: Ballaststoffe 26,9 g
⢠Vitamine: Niacin (B3) 40,2 mg, Pantothensäure (B5) 13,5 mg, Thiamin (B1) 10,99 mg, Pyridoxin (B6) 1,5 mg, Riboflavin (B2) 4 mg, Folsäure (B9) 2,34 mg
Nährhefe (getrocknete Bierhefe, Trockenhefe)
Je 100 Gramm:cite-ref-behr-35-1[35]
⢠Brennwert 1440 kJ (344 kcal), Wasser 6 g, Eiweià 47,6 g, Fett 1,3 g, Kohlenhydrate 36,1 g davon: Ballaststoffe 0,8 g
⢠Mineralien: Kalium 1,41 g, Phosphor 1,9 g, Eisen 17,6 mg, Mangan 0,53 mg
⢠Vitamine: Niacin (B3) 44,8 mg, Pantothensäure (B5) 7,21 mg, Thiamin (B1) 12 mg, Pyridoxin (B6) 4,41 mg, Riboflavin (B2) 3,17 mg, Folsäure (B9) 3,17 mg
Siehe auch
Literatur
⢠Julius Schßlein: Die Bierhefe als Heil-, Nähr- und Futtermittel, 2. Auflage, Theodor Steinkopff Verlag, Dresden/Leipzig 1938.
⢠Ferdinand Reiff: Die Hefen. Bd.1: Die Hefen in der Wissenschaft, Bd.2: Technologie der Hefen, Hans Carl Verlag, Nßrnberg 1960, 1962.
⢠T. Satyanarayana, G. Kunze (Hrsg.): Yeast Biotechnology. Diversity and Applications. Springer, 2009, ISBN 978-1-4020-8291-7 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
Weblinks
Commons
: Backhefe
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Saccharomyces cerevisiae
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
⢠Saccharomyces cerevisiae 10560-6B, Eintrag zu Backhefe bei DiArk (engl.)
⢠Backhefe-Seite
⢠DRYGIN (Data Repository of Yeast Genetic Interactions)
⢠Cell cycle and metabolic cycle regulated transcription in yeast
⢠Yeast Reâsource Center Public Data Repository
⢠Integrative Multi-species Prediction, BioPIXIE â verschiedene Modellorganismen, darunter S. cerevisiae, sowie der Mensch (Homo sapiens)
⢠A General Repository for Saccharomyces cerevisiae Interactions, BioGRID.org
⢠YEASTRACT (Yeast Search for Transcriptional Regulators And Consensus Tracking)
⢠Internetseite des Deutschen Verbandes der Hefeindustrie mit Verbraucherinformationen zu Backhefe
⢠Jan Osterkamp: Wespen helfen Hefen Ăźber den Winter, auf spektrum.de vom 31. Juli 2012. â Weinhefen und S. cerevisiae
⢠Frostschutzgen bei Hefe entdeckt, auf spektrum.de vom 21. Juni 2002. â Bäckerhefe
⢠Genanalyse: Was Weizenbier mit Reiswein gemeinsam hat, auf spiegel.de vom 10. Oktober 2016. â Stämme der Bier- und Bäckerhefe S. cerevisiae, Ursprung in Asien vermutet
⢠Tzemach Aouizerat, Itai Gutman, Yitzhak Paz, Aren M. Maeir, Yuval Gadot, Daniel Gelman, Amir Szitenberg, Ronen Hazan et al.: Isolation and Characterization of Live Yeast Cells from Ancient Vessels as a Tool in Bio-Archaeology, in: ASM Journals mBio, Band 10, Nr. 2, 30. April 2019, doi:10.1128/mBio.00388-19; dazu: Daniela Albat: Wie schmeckte das Bier der Pharaonen? â Forscher stellen Gebräu aus tausende Jahre alten Hefestämmen hier, auf: scinexx vom 23. Mai 2019. â Verschiedene Hefen gefunden, darunter S. cerevisiae
⢠Josephine Franke: Bäckerhefe ist die Mikrobe des Jahres 2022; auf scinexx vom 7. Januar 2022 (weitere Anwendungen, u. a. Produktion von Insulin und Artemisinin)
Einzelnachweise
cite-note-11. â Ulrich Ammon, Hans Bickel, Jakob Ebner, Ruth Esterhammer, Markus Gasser, Lorenz Hofer, Birte Kellermeier-Rehbein, Heinrich LĂśffler, Doris Mangott, Hans Moser, Robert Schläpfer, Michael SchloĂmacher, Regula Schmidlin, GĂźnter Vallaster: VariantenwĂśrterbuch des Deutschen. Die Standardsprache in Ăsterreich, der Schweiz und Deutschland sowie in Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien und SĂźdtirol. Berlin / New York: Walter de Gruyter, 2004; S. 291, 341.
cite-note-33. â Gundolf Keil: Die âCirurgiaâ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 399 (heffe: auch âSauerteigâ) und 438 (pierheffe: Bodensatz beim Bierbrauen: Gärungserreger, vor allem wohl Hefepilze, Saccharomycetaceae).
cite-note-44. â Friedrich Kluge, Alfred GĂśtze: Etymologisches WĂśrterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Herausgegeben von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck (â21. unveränderte Auflageâ) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 296.
cite-note-55. â Peter H. Raven, Ray F. Evert, Susan E. Eichhorn: Biologie der Pflanzen. Hrsg.: Thomas Friedl, Uni GĂśttingen. 4. Auflage. De Gruyter, Berlin/New York 2006, ISBN 3-11-018531-8, Kapitel 14.8: Hefen, S. 322 (942 Seiten, gebundene Ausgabe, amerikanisches Englisch: Biology of Plants, Seventh Edition. Ăbersetzt von Uwe K. Simon, Uni TĂźbingen (Kap. 14, Anhang)).
cite-note-nelson-1010. â Max Nelson: Beer in Greco-Roman Antiquity. 2001, S. 149 ff. (Digitalisat).
cite-note-1111. â Friedrich Wilhelm Gierhake: Asepsis. In: Franz Xaver Sailer, Friedrich Wilhelm Gierhake (Hrsg.): Chirurgie historisch gesehen. Anfang â Entwicklung â Differenzierung. Dustri-Verlag, Deisenhofen bei MĂźnchen 1973, ISBN 3-87185-021-7, S. 33â42, hier: S. 39.
cite-note-1212. â Franz MeuĂdoerffer, Martin Zarnkow: Das Bier: Eine Geschichte von Hopfen und Malz. C.H. Beck Verlag, 2014, ISBN 978-3-406-66668-1, S. 84.
cite-note-1313. â Andreas Krennmair: Vienna Lager. 2020, ISBN 979-86-5093343-4, S. 28 (englisch).
cite-note-1414. â H. Schoof, M. Spannagl, L. Yang, R. Ernst, H. Gundlach, D. Haase, G. Haberer, K. F. Mayer: Munich information center for protein sequences plant genome resources: a framework for integrative and comparative analyses 1(W). In: Plant physiology. Band 138, Nummer 3, Juli 2005, S. 1301â1309, doi:10.1104/pp.104.059188, PMID 16010004, PMC 1176403 (freier Volltext).
cite-note-1515. â Saccharomyces Genome Database.
cite-note-1818. â Scientists Synthesize First Functional âDesignerâ Chromosome in Yeast. Study reports major advance in synthetic biology. 27. März 2014, abgerufen am 3. April 2014 (englisch, Pressemitteilung der Universität New York).
cite-note-1919. â Michael Lange: Forscher bauen Hefe-Chromosomen nach, auf deutschlandfunk.de vom 10. März 2017.
cite-note-2020. â Otto Hoffmann-Ostenhof: Enzymologie: Eine Darstellung fĂźr Chemiker, Biologen und Mediziner. Springer 1954, S. 243.
cite-note-2222. â Helga Ninnemann, W. L. Butler, B. L. Epel: Inhibition of respiration in yeast by light. In: Biochimica et Biophysica Acta (BBA) - Bioenergetics. Band 205, Nr. 3, 30. Juni 1970, ISSN 0005-2728, S. 499â506, doi:10.1016/0005-2728(70)90115-5 (sciencedirect.com [abgerufen am 14. Februar 2023]).
cite-note-2323. â Stanislaw UĹaszewski, Theofanis Mamouneas, Win-Kuang Shen, Philip J. Rosenthal, John R. Woodward, Vincent P. Cirillo, Leland N. Edmunds: Light Effects in Yeast: Evidence for Participation of Cytochromes in Photoinhibition of Growth and Transport in Saccharomyces cerevisiae Cultured at Low Temperatures. In: Journal of Bacteriology. Band 138, Nr. 2, Mai 1979, ISSN 0021-9193, S. 523â529, doi:10.1128/jb.138.2.523-529.1979, PMID 374392, PMC 218208 (freier Volltext).
cite-note-2424. â James Brian Robertson, Chris R. Davis, Carl Hirschie Johnson: Visible light alters yeast metabolic rhythms by inhibiting respiration. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. Band 110, Nr. 52, 24. Dezember 2013, ISSN 0027-8424, S. 21130â21135, doi:10.1073/pnas.1313369110, PMID 24297928, PMC 3876234 (freier Volltext).
cite-note-2525. â B. Volesky, H. A. May-Phillips: Biosorption of heavy metals by Saccharomyces cerevisiae. In: Applied Microbiology and Biotechnology, Jg. 42, Nr. 5, 1995, S. 797â806.
cite-note-2626. â Norbert Messing, Holger Metz: Hefen und Bakterien stärken unsere Gesundheit, 2. Auflage, Bad SchĂśnborn 1996, S. 96â130.
cite-note-2727. â FAQ zur Backhefe â deutscher Verband der Hefeindustrie e. V.
cite-note-backdorf-2828. â LangzeitfĂźhrung.
cite-note-josemola-2929. â Lange TeigfĂźhrung: Was ist das Ăźberhaupt?.
cite-note-pmc6163668-3030. â Applicability of Yeast Fermentation to Reduce Fructans and Other FODMAPs.
cite-note-3131. â Verordnung (EU) Nr. 97/2010 (PDF; 1,4 MB), auf eur-lex.europa.eu.
cite-note-3232. â Erstaunlich: Lange TeigfĂźhrung macht Brot bekĂśmmlich.
cite-note-3333. â FAQ zur Backhefe, Deutscher Verband der Hefeindustrie e. V.
cite-note-3434. â rohstoffe. Abgerufen am 15. Oktober 2020.
cite-note-behr-3535. â Waldemar Ternes, Alfred Täufel, Lieselotte Tunger, Martin Zobel (Hrsg.): Lebensmittel-Lexikon. 4., umfassend Ăźberarbeitete Auflage. Behr, Hamburg 2005, ISBN 3-89947-165-2.